25. März 2012

Review - Die Fluchweberin - Brigitte Melzer

  • Originaltitel: -
  • Gebundene Ausgabe: 383 Seiten
  • Verlag: Ueberreuter 
  • Erschienen im: März 2012
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3800056620
  • Leseprobe: hier

Klappentext:

Die 17jährige Raine MacDaniels kann Flüche weben, eine praktische Gabe, wäre Magie nicht verboten und würde mit dem Tode bestraft. Darauf bedacht, ihr Geheimnis zu wahren, wird sie an ihrer Schule zur Außenseiterin. Als ihr ihre Erzfeindin Kim einen besonders grausamen Streich spielt, schlägt Raine mit einem Fluch zurück. Doch sie muss feststellen, dass sie nicht die einzige mit magischer Begabung ist. Ein Zauberer scheint es auf sie abgesehen zu haben und plötzlich ist ihr auch noch die Magiepolizei auf den Fersen. Und dann ist da noch Skyler, der neue Mitschüler mit dem charmanten Lächeln, der so gerne ihr Freund sein möchte. Um zu überleben, muss Raine sich entscheiden, wem sie vertrauen kann ihresgleichen oder jemandem, der eigentlich ihr Feind sein müsste. 


Kritik:

Auch wenn Brigitte Melzer immer noch eine meiner Lieblingsautorinnen ist, muss ich sagen, dass ich von "Die Fluchweberin" etwas enttäuscht war. Ihre letzten Romane waren zwar auch nicht meine Favouriten (ausgenommen "Dämonisches Tattoo" und "Die Dämonenseherin", die mir Genre-mäßig nicht so zugesagt haben), aber ihre Romane haben mich allesamt gut unterhalten und mich auf ihre Weise überzeugt. Normalerweise hat sie es bisher auch fast immer geschafft mit ihren "Jugendbüchern" (die nicht auch All-Age-Romane sein könnten) zu begeistern, hier war dies leider nicht der Fall. Der Roman ist nicht schlecht, aber leider auch nicht richtig gut und bei der Bewertung ist schon ein nicht allzu kleiner Autorenbonus inklusive, allerdings gab es auch einen Bonus dafür, dass es sich hierbei um einen Einzelband handelt, zumindest gehe ich nach dem Ende davon aus.

Was mich mit am meisten gestört hat war, dass die Liebesgeschichte unecht wirkte, besonders Skyler's Verhalten fand ich einfach total merkwürdig. Mir war lange Zeit (und vielleicht auch bis zum Ende) nicht klar, ob sein Verhalten von der Autorin so geplant war oder Brigitte Melzer es einfach nicht geschafft hat ihn richtig darzustellen. Denn Skyler fand ich leider nie richtig sympathisch, ich wurde mit ihm einfach nicht warm und habe ihn auch nicht wirklich verstanden, und besonders am Anfang fand ich ihn komisch und unnatürlich. Außerdem wirkte er auf mich die ganze Zeit jünger als ich bei seinem Alter erwarten hätte. Die Chemie zwischen Skyler und Raine hat einfach für mich den ganzen Roman über nicht gestimmt, nicht weil es allgemein zwischen den beiden nicht gepasst hätte, sondern weil mir einfach die ein oder andere berührende oder emotionale Szene gefehlt hat. Die Liebesgeschichte konnte sich für mich einfach nicht aufbauen und die Beziehung schien mir zu überhastet als das sie auf mich echt wirken könnte, was ich besonders nach dem "Epilog" sehr schade fand. Hätte es Brigitte Melzer vorher schon geschafft ein paar berührende Szenen einzubauen, dann hätte der ganze Roman bestimmt an Intensität gewonnen.

Sprachlich war "Die Fluchweberin" nicht sonderlich außergewöhnlich und leider auch nicht mehr ganz so bildhaft und fesselnd wie noch bei ihren früheren Romanen. Damals waren ihre Romane sprachlich auch nicht Weltklasse, aber sie hat es (fast immer) geschafft mich atmosphärisch in ihre Geschichten hineinzuziehen und meine Phantasie anzuregen. Hier hat es Brigitte Melzer aber nicht geschafft mich vollständig in den Bann zu ziehen. Es mag auch an der manchmal etwas sehr langatmigen Handlung gelegen haben, besonders der Anfang zog sich sehr. Ich hatte teilweise wirklich das Gefühl, dass die Geschichte gar nicht richtig in Fahrt kam und nicht voran kam.

Die Ideen, die Brigitte Melzer in ihren neusten Jugendroman eingebaut hat, waren nicht besonders innovativ, vieles gab es so schon in anderen paranormalen YA Romanen, insgesamt fühlt sich die Geschicht zwar nicht bekannt an, aber die einzelnen Elemente haben in mir auch keinen Wow-so-etwas-habe-ich-noch-nie-gelesen-Effekt ausgelöst. Was mich etwas gestört hat war, dass die Ideen bezüglich dem Magieverbot und der Magiepolizei im Roman selber nicht so richtig konsistent wirkten, da Raine dies aber selber auch an einer Stelle anmerkt bin ich mir nicht sicher, ob dies von Brigitte Melzer nicht gedacht war, um den Irrsinn der Magierverfolgung zu zeigen. Denn

Spoiler:

Magie ist zwar verboten, aber die Magiepolizei nutzt selber Magie und nimmt auch die Hilfe von (angestellten? gefangen genommenen?) Magiern in Anspruch. Se nutzen diese Magie also, um die zu finden, die Magie unrechtmäßig benutzen (was ich total unsinnig finde) und sie lassen sich magische Runen auf den Körper tätowieren oder mit Henna aufmalen, um stärker etc. zu werden (was mich an die Mortal Instruments Reihe erinnert hat) oder nutzen Magierblut, um Zauber wirken zu können. Außerdem wird nur darüber geredet, wie gefährlich Magie ist, was ich sehr einseitig fand, obwohl z.B. auch Schusswaffen Menschen töten können. Besonders aufgefallen ist mir das an einer Stelle, in der eine Person verletzt wurde (durch ein Attentat eines Magiers) und die Schulmedizin dieser Person nicht helfen kann, weshalb eine verwandte Person einen Hass auf Magier entwickelt hat. Wieso erwähnt Raine dort nicht, dass Magie dieser Personen helfen könnte, wie z.B. ihre Mutter, die Heilerin war und deshalb von der Magiepolizei gefangen genommen wurde.


Den Schlusskampf fand ich etwas unpassend, irgendwie war er für mich nicht sonderlich spannend, da er überhastet wirkte und ansonsten auch sehr durchschnittlich aufgebaut war. Überraschungen gab es jedenfalls keine, was ich etwas schade fand. Insgesamt hätte es diesen Kampf nicht gebraucht.

Das Ende, also der "Epilog", der kein richtiger betitelter Epilog war, hat mich aber berührt und den Roman für mich dann doch zu einem schönen und positiven Abschluss geführt.

Ich mag das Cover wirklich sehr, aber mich ärgert das Format etwas. Meine anderen Romane von Ueberreuter (die von Otherworld ausgenommen) sind auch alles Hardcover, allerdings ohne Schutzumschlag, aber in einem etwas kleineren Format? Wieso haben sie die Größe ihrer Hardcover verändert, so sieht das im Regal einfach nicht mehr so schön aus. Negativ aufgefallen sind mir auch ein paar Fehler, da ist mal die Seitenzahl an der falschen Stelle, eine Wort ist falsch geschrieben oder ein Satzzeichen fehlt. Später sind mir solche Fehler nicht mehr aufgefallen, was aber auch daran liegen kann, dass ich nicht mehr so darauf geachtet habe.

Fazit:

Kein schlechter paranormaler Liebesroman, aber nicht ganz das was ich erwartet hätte und durchaus an einigen Stellen verbesserungswürdig, also insgesamt nur guter Durchschnitt. In meiner Bewertung bin ich allerdings nicht so ganz objektiv, ein gewisser Autorenbonus ist also auf jeden Fall enthalten! Da ich aber ein Fan von Brigitte Melzer bin würde ich denn Roman dennoch sehr gerne an Fans von paranormalen Jugendbüchern empfehlen, die nicht nur außergewöhnliche und besondere Geschichten lesen möchten.

Bewertung: 6 von 10 Bücherwürmer


Kommentare:

  1. Hallo Lucina,

    danke für die tolle Rezension. Ich hatte "Die Fluchweberin" letztens in den Händen und habe aufgrund des wunderbaren Covers schon überlegt, ob ich mich mal wieder an ein Buch von Brigitte Melzer wage (ich war vor Jahren ein Fan ihrer früheren Werke, "Im Schatten des Dämons" und "Der Geist, der mich liebte" von ich super, mit den ersten beiden "Vampyr"-Bänden flaute meine Begeisterung soweit ab, dass ich danach nichts mehr von ihr gelesen habe).
    Dann warte ich also lieber noch ein Weilchen, mal sehen, was sie so als nächstes herausbringt.
    Deinen Blog verfolge ich ab jetzt auf alle Fälle regelmäßig! <3

    LG,
    Keeweekat

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    1. Oh ja, die beiden Geschichten waren super. "Im Schatten des Dämons" fand ich auch sooo super! Den ersten Band der "Vampyr-Trilogie" fand ich auch nicht so gut, aber ich fand sie hat sich innerhalb der Reihe von Band zu Band gesteigert.
      Ich hab fast alles von ihr gelesen, "Wolfsgier" und "Kein Kuss für Finn" haben mich nicht angesprochen und "Elyria" steht aus einem bestimmten Grund seit dem Erscheinen bei ungelesenen bei mir rum, aber irgendwie kommt für mich kein Roman an "Im Schatten des Dämons", "Whisper" und ihre Morgan Grey Romane ran. Die hab ich damals als ich noch jünger war geliebt. *_*
      Von ihren beiden Erwachsenenromanen war ich tatsächlich enttäuscht, ebenso von der Fortsetzung von "Der Geist, der mich liebte", ansonsten konnte sie mich aber immer gut unterhalten.

      Ich bin auch schon sehr gespannt, aber ihr nächster Roman wird wohl leider noch etwas auf sich warten lassen. :(

      Danke, das höre ich gerne. :)

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  2. Das hört sich ja eher durchschnittlich an, vorerst darf das Buch aber auf meiner Wunschliste bleiben. Welche Bücher der Autorin würdest du denn für den Einstieg empfehlen?

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    1. Also mein liebstes Jugendbuch von ihr (High Fanatsy) ist "Im Schatten des Dämons", das habe ich damals wirklich über alles geliebt, aber nicht sicher bin, ob es mir heute immer noch so gefallen würde, ihre älteren Geschichten richten sich eher an Jüngere, d.h. sie sind nicht so anspruchsvoll und komplex.
      Etwas mehr All-Age wäre "Rebellion der Engel" bzw. die Fortsetzung "Seelenglanz", die kann ich schon eher empfehlen, sie haben zwar auch Schwächen, haben mich aber dennoch gut unterhalten. Du magst doch auch Romantic Suspense/Thrill, oder? Vielleicht wäre dann auch "Dämonisches Tattoo" etwas für dich, für mich ist so etwas ja gar nichts, mir war die Geschichte zu Nervenaufreibend. :D

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  3. Danke, die Bücher werde ich mir mal anschauen.

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  4. Mit dem Buch liebäugel ich immer wieder, weil ich die Autorin hin und wieder mal ganz gerne lese. Inhaltsangabe + Cover sind ebenfalls nicht Übel. Ok, gerade als Melzer-Fan klingt deine Rezi wirklich nicht sehr begeistert. Gute Argumente und mich würde einiges wohl auch stören. Den Spoiler habe ich jetzt extra mal NICHT gelesen. Denn ich schau mal, sollte ich das Buch mal günsig oder ertauscht bekommen, werde ich ihm wohl irgendwann mal eine Chance geben. Neugierig bin ich nämlich immer noch ... irgendwie. Hoffen wir mal, dass die Autorin demnächst wieder mehr begeistern kann. Aber stimmt schon, meistes sind es ja doch eher "All-Age"-Romane, wenn ich z. B. an "Rebellion der Engel" denke. Bei einigen Büchern fragt man sich eh, was die in der Jugendbuchabteilung zu suchen haben. Scheint aber auch Marketing zu sein und wahrscheinlich verkauft es sich dort einfach besser. Schöne Rezi!

    LG Reni

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Lucina

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