10. August 2011

Review - Entflammt - Cate Tiernan


  • Originaltitel: Immortal Beloved
  • Reihe: Immortal Beloved #1
  • Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
  • Verlag: Loewe Verlag 
  • Erschienen am: 10. Januar 2011
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3785572535
  • HörprobeLeseprobe (die ersten 42 Seiten)


Inhalt (der Klappentext etwas erweitert und umgeschrieben):

Nastasja ist über 450 Jahre alt, sieht aber nicht älter aus wie 18. Kein Wunder, denn sie ist unsterblich. Mit ihrem besten Freund, dem ebenfalls unsterblichen Innocencio, den sie Incy nennt, zieht sie seit einem Jahrhundert durch die Metropolen der Welt, immer auf der Suche nach der nächsten Party. Schon lange ist sie der Ewigkeit überdrüssig, zu schwer lasten die Erinnerungen auf ihr. Doch als Incy eines Tages eine Grenze überschreitet und Nasty daraufhin von einem schlechten Gewissen belastet wird hält sie es nicht mehr aus: Hals über Kopf flieht sie vor Incy, den sie nicht mehr zu kennen scheint, und vor sich selbst und ihrer dunklen Vergangenheit.

Unterschlupf findet sie bei River, einer uralten Unsterblichen und River's Edge, einer hat Therapiezentrum für ihresgleichen, für Unsterbliche wie sie. Dort begegnet sie Reyn, von den sie vom ersten Moment an schwärmt, doch ausgerechnet er will, dass sie wieder geht. Am Ende jedoch bleibt Nastasja und schwebt schon bald in Gefahr. Wer ist es, der sie mit bösen Flüchen verfolgt und scheinbar ihren Tod möchte? Incy, der rasend ist vor Wut, oder Reyn, den sie von früher zu kennen glaubt? Was will Incy von ihr und was meint Boz mit "ihrer Kraft"? Und kann sie Reyn wirklich schon früher einmal über dem Weg gelaufen sein oder ist es ihr Unterbewusstsein das ihr einen Streich spielt?

Kritik:

"Entflammt" hat bei mir einen ganz, ganz schlechten Start hingelegt, denn schon die ersten Seiten fand ich im wahrsten Sinne des Wortes zum kotzen. Sorry, für meine Wortwahl, aber die Geschichte mit dem Taxifahrer fand ich einfach nur ekelhaft und Nastasja sah bei der ganzen Sache auch nicht besonders gut aus. Ihr Freund hat gerade einem Taxifahrer das Rückgrat gebrochen und sie hat nichts besseres zu tun als zu tanzen, saufen und flirten. Okay, sie hatte danach ein schlechtes Gewissen, aber sympathisch nenne ich anders und damit hatte es nicht nur die Hauptfigur, sondern die ganze Geschichte schwer bei mir. Nastasja wirkte auf mich nicht wie eine fast 500jährige Unsterbliche, sondern wie ein dummes, oberflächliches, pubertäres und obendrein unsympathisches Partygirl, also wie eine Person mit der ich persönlich erst einmal wenig anfangen kann. Okay, sie sieht aus wie ein Teenie, aber muss sie sich nach über 450 Jahren Erfahrung, wie Ehen, Kriegen, Hungernöten etc. wirklich noch wie eine sabbernde wollüstige Jugendliche benehmen? Wie sagt man so schön: Der erste Eindruck ist entscheidend und der war bei "Entflammt" alles andere als positiv. Aber nach nicht einmal 20 Seiten sollte man noch keinen Roman vorverurteilen und deshalb habe ich dann auch weitergelesen.

Nun ja, mit Nastasja und mir ging es nicht wirklich besser weiter. Sie war mir persönlich einfach zu herzlos und unterkühlt, ich konnte mir gar nicht vorstellen einen ganzen Roman mit ihr als Ich-Erzählerin zu überstehen. Ihre Kommentare zu diesem Autounfall bei dem ein Mädchen ums Leben kam waren einfach nur abartig. Das Mädchen war also selber Schuld, weil sie mit ihnen ins Auto gestiegen ist und außerdem ist es ja nicht Nastasjas Problem das Menschen so empfindlich sind? Das Leben geht weiter, was macht da schon ein Todesfall. Hallo, geht's noch!? Ich wusste gar nicht wie tief in die roten Zahlen auf der Sympathieskala Nastasja im Laufe der Geschichte noch sinken würde, aber selbst nach nicht einmal 40 Seiten wäre es für sie schon schwierig geworden, sich am Ende in die schwarzen Zahlen hochzuarbeiten. Aber ich habe der Geschichte noch eine Chance gegeben, was sagen schon 40 Seiten über jemanden aus, selbst wenn die beste Freund ein absolut widerwärtiges Arschloch ist und man selber auch nur etwas besser darsteht. 

Und am Ende war ich froh meine Hoffnung nicht aufgeben zu haben, denn "Entflammt" wurde zum Ende hin immer besser. Die erste Hälfte musste ich mich aber noch etwas durch die Geschichte kämpfen, denn Nastasja, oder Nasty, wurde mir nur langsam sympathischer. Mit der Zeit in River's Edge veränderte sie sich aber immer mehr, wurde erwachsener und humorvoller (bzw. sarkastischer, aber das hat mir gut gefallen), weshalb ich mich dann auch besser in die Geschichte eingefunden habe. Irgendwann konnte ich Nasty's Verhalten und ihren ausuferndem Lebensstil besser verstehen und auch ihre Vergangenheit wurde mehr beleuchtet, wodurch sie auf mich menschlicher und damit sympathischer wirkte. Es machte zwar nicht ungeschehen, was am Anfang des Romans passiert ist, aber ich hatte einfach mehr Freude daran ihrer Erzählung zu folgen und so flogen die Seiten nur so an mir vorbei. 

Die erste Hälfte war logischerweise eher ruhig und damit etwas langatmig, mit wenig Action oder Spannung. Aber was soll bei einem Reha-Aufenthalt auch großartiges passieren, selbst wenn es sich um eine Art Entziehungsklinik für Unsterbliche mit magischen Fähigkeiten handelt? Nicht viel und das war auch gut so, denn nur so konnte ich als Leser zusammen mit Nasty zur Ruhe finden. Aber der zweiten Hälfte wurde es jedoch spannender, nicht unbedingt von der Handlung her, denn die war leider sehr vorhersehbar, sondern was Reyn und Nasty's Beziehung angeht. Und ich meine damit jetzt nicht einmal eine Liebesbeziehung! ;) Ich wusste ja schon vorher, dass die Romantik bei "Entflammt" höchstens am Ende eine Rolle spielt und dachte mir, dass das für mich zu einem Problem werden könnte, da ich nun einmal auf Liebesgeschichten stehe, aber dem war nicht so. Es wäre sogar extrem unrealistisch gewesen, wenn sich schon vorher eine Liebesgeschichte entwickelt hätte. Nasty wäre zu verkorkst, zu abgestumpft, zu...einfach alles gewesen, als das so etwas wie liebe oder Romantik in der Geschichte Platz gehabt hätte. Und mal ganz nebenbei gesagt: Ich hätte ihr so etwas zu diesem Zeitpunkt auch gar nicht gegönnt. ;)

Ich fand es sehr schade, dass die Geschichte teilweise so vorhersehbar war. Manche "Geheimnisse" wurden mir quasi direkt vor die Nase gehalten, sodass die Auflösung am Ende nicht wirklich überraschend war. Überrascht war ich nur darüber, dass eine Person, von der ich erwartet hätte, dass sie am Ende eine Rolle spielt, dann doch keine Rolle gespielt hat. Ansonsten fand ich die Handlung aber richtig gut, die Idee mit der naturnahen Rehaklinik fand ich sehr innovativ und war eine wirkliche Abwechslung zu vielen anderen ähnlichen Romanen. Außerdem gibt es diesmal weder eine perfekte Heldin noch einen strahlenden Ritter in goldener Rüstung auf einem weißen Ross, der die Inkarnation der Perfektheit des Perfekten ist. Ganz im Gegenteil, wenn man Reyn überhaupt als Helden bezeichnen kann, dann ist er alles andere als ein strahlender Ritter. Auch wenn ich meine Probleme mit Nasty gehabt habe, so hebt sie sich doch von anderen Heldinnen ab und das ist ja auch etwas positives.

In den nächsten beiden Bänden, die ich wahrscheinlich auch noch lesen werde, freue ich mich besonders darauf mehr über die Lehrer und Schüler auf River's Edge zu erfahren. Denn diese blieben bisher eher flach, da keine Charakterentwicklung sichtbar war (was auch kein Wunder ist, die Geschichte ist auch Nasty's Sicht erzählt) und man bisher auch wenig über ihre Vergangenheit erfahren hat. Aber sie waren allesamt sehr sympathisch und haben mich etwas über die Schwierigkeiten, die ich mit Nasty's Charakter hatte hinweg getröstet. Über River wird man wohl im zweiten Band "Darkness Falls" mehr erfahren und darauf bin ich schon sehr gespannt. Nur der Klappentext bereitet mir etwas Sorge, Nastasja wird doch hoffentlich nicht wieder zu diesem unsympathischen Gör werden...

Fazit:

Durch die ersten 150 Seiten musste ich mich zwar etwas durchkämpfen, da mit Nastasja unglaublich unsympathisch war, aber danach wurde die Geschichte immer besser und hat mir dann auch sehr gut gefallen. Leider kann das gute Ende nicht über den miesen Einstieg hinwegtäuschen, weshalb ich nur nettgemeinte 6 Bücherwürmer geben kann. Meine Hoffnungen ruhen allerdings auf der Fortsetzung, da diese aber auf sich warten lässt, bin ich sehr froh darüber, dass das Ende von "Entflammt" einigermaßen abgeschlossen ist.

Bewertung: 6 von 10 Bücherwürmer


Anmerkung:

englisches Cover (UK)
Bei "Entflammt" handelt es sich um den ersten Teil der "Immortal Beloved"-Trilogie. Bei den englischen Titeln bin ich mir unsicher, da in Kanada und den UK auch teilweise andere (Unter-)Titel im Umlauf sind.

  1. Immortal Beloved || Everlasting Life (Entflammt)
  2. Darkness Falls || Everlasting Dark - Januar | April 2012
  3. tba || Everlasting War - 2013

meine Quellen: Cover; Buchinformationen; englisches Cover;

Kommentare:

  1. Puh, ich hatte ja schon das schlimmste befürchtet, nach diesen Einstiegsworten... insofern bin ich zwar nicht glücklich, aber doch beruhigt, dass es immerhin noch sechs Bücherwürmer geworden sind.

    In Gegensatz zu dir bin ich nicht so hart mit Nasty ins Gericht gegangen, sondern sah sie als gestrauchelte Seele, die vor sich selbst davonläuft und habe unter der Oberfläche immer einen guten Kern vermutet.

    Ich fands auch doof, als ich da was von Party machen gelesen haben beim nächsten Teil, aber mal abwarten...

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  2. Der Roman hätte auch 7 Bücherwürmer bzw. 4 Sterne verdient gehabt, da ich ihn am Ende wirklich gut fand. ^^ Aber ich wollte den Anfang dann doch nicht ganz außen vor lassen und hoffe das Beste für den nächsten Band. :) Und das mit dem Party machen mit Incy beim nächsten Band fand ich auch irgendwie doof... :O

    Aber ihr Verhalten hat mich am Anfang wirklich abgestoßend, ich bin bei solchen Sachen irgendwie empfindlich. ._. Ich kann es nicht ausstehen, wenn jemandem Menschenleben so wenig wert sind (das ist mir unheimlich), deshalb habe ich das dann in die Bewertung einfließen lassen. Aber am Ende mochte ich Nasty trotzdem, weil ich sie durch ihre Vergangenheit und durch das was sie alles erlebt hat besser verstanden habe. :D

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  3. Gut war es ja wirklich nicht, aber ich fand es mal erzählerisch interessant gemacht - eben nicht auf (sofortige) Sympathie geschielt.

    Sollen wir dann bei der Leserunde eigentlich in meinem Blog diskutieren oder willst du lieber bei dir? Bevor es da nachher Verwirrung gibt ^^

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  4. Das fand ich eigentlich auch ganz gut, dass Nasty anders war als die normalen Heldinnen. Etwas weniger extrem wäre allerdings auch in Ordnung gewesen, also unsympathisch, aber nicht zu lasten anderer... ^^

    Wenn es für dich in Ordnung ist, dann gerne bei dir, ich denke da ist die Diskussion besser aufgehoben :D

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Liebe Grüße,
Lucina

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