22. Mai 2011

Review - Die Macht der Liebe - Marie Cordonnier


  • Reihe: Isabelle #5
  • Taschenbuch: 256 Seiten
  • Verlag: Weltbild Verlag 
  • Erschienen: 2004
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3-8289-7428-7


Klappentext:

Als sie dem Werben des Grafen Chartière nachgibt, glaubt Fleur de Paradou das Paradies auf Erden gefunden zu haben. Doch ihre Liebe schlägt in bitteren Hass um, als sie bemerkt, dass sie für diesen Mann nicht mehr als ein Abenteuer ist, eine Krämerstochter! Zutiefst gedemütigt schwört sie Rache, da greift der König von Frankreich in ihr Schicksal ein...

Inhalt:

Fleur de Paradou kommt als Ehrendame der verschmähten Königin Katharina de Medici an den französischen Hof und verfällt dort dem Werben des Grafen Chartière, Yves  de Saint-Tessè, der vor einigen Jahren u.A. durch seine Leidenschaft für die Mätresse des Königs, Diane de Piotiers, fast sein gesamtes Vermögen verloren hat. Nicht erkennend das dieser nur ein Spiel mit ihr spielt schenkt Fleur ihm ohne groß Nachzudenken ihre Jungfräulichkeit, in dem Glauben, er würde sie heiraten. Doch für den stolzen Grafen kommt eine Heirat mit einer Tochter eines Händlers nicht in Frage. Zutiefst verletzt begeht Fleur einen verhängnisvollen Fehler, der den König auf den Plan ruft und Yves und Fleur stärker aneinander bindet als es die beiden vorhergesehen hätten.

Kritik:

Ich will nicht sagen, dass der Roman richtig schlecht war, er traf nur überhaupt nicht meinen Geschmack, dabei haben mir vor ein paar Jahren andere Romane der Autorin gut gefallen. Vielleicht liegt es daran, dass sich in der Zwischenzeit mein Geschmack verändert hat oder ich habe einfach nur einen schlechten Roman von "Marie Cordonnier" erwischt.

Mir Fleur konnte ich überhaupt nichts anfangen, sie ist zu naiv und viel zu perfekt. Sie ist ja so schön, kann alles so toll und ist auch noch so intelligent. Wobei ich von letzterem nicht wirklich etwas mitbekommen habe, sie hat teilweise eine scharfe Zunge, aber das war es dann auch. Okay, ich gebe zu, im Vergleich zu den ganzen extrem dümmlichen Heldinnnen, kann sie sicherlich als intelligent durchgehen. Aber die Zusammenhänge, die sie erkennt, hätte man auch mit wenig Intelligenz erkannt. Aber in der damaligen Zeit wäre sie wahrscheinlich wirklich als intelligente Frau durchgegangen, die Ansprüche an Frauen waren damals ja etwas anders als heute. Durch ihre ach so perfekte Art fand ich Fleur irgendwie nicht sonderlich sympathisch, dabei kann die Gute gar nichts dafür, dass sie so merkwürdig dargestellt wurde.
Richtig schlimm fand ich ihre Naivität am Anfang. Ein paar flirtende Worte und sie landet mit dem Grafen von Chartiére im Bett, da sie natürlich felsenfest von seiner unerschütterlichen Liebe überzeugt ist. Das ganze wäre nicht ganz so tragisch gewesen, wäre die Entjungferungszene nicht eine der Unromantischsten gewesen, die ich jemals in einem Historical ertragen musste.

Allgemein ist der Roman eher von Leidenschaft als von Romantik geprägt, was mich sehr gestört hat, zumal die Liebesszenen äußerst altmodisch rüberkamen und überhaupt nicht erotisch waren. Ich stehe nun einmal nicht unbedingt auf Szenen, in denen die Vernunft der Heldin durch ein paar gezielte Küsse gekonnt außer Kraft gesetzt wird und dabei der Heldin glaubhaft gemacht wird, dass sich nicht der Held ihr aufdrängt, sondern das sie tatsächlich der Leidenschaft verfallen ist. Und überhaupt kann natürlich auch jede Ehestreit mit einem gezielten Kuss beendet werden, nicht? Also mal ehrlich, Yves ist nicht ansatzweise sympathisch genug als das ich ihm sein Verhalten am Anfang verzeihen könnte und auch der "Hass" der die beiden tagsüber verbindet hat mich daran gehindert die Leidenschaft in der Nacht auch nur ein bisschen realistisch zu finden. Okay, ab der Hälfte des Romans wird die Geschichte romantischer und Yves sympathischer dargestellt, aber seine Wandlung vom kühlen Liebhaber zum verliebten Idioten, innerhalb von ein paar Seiten wohlgemerkt, fand ich derart unrealistisch, dass er in meiner Sympathie-Skala nur ein wenig nach oben geklettert ist.

Irgendwie wollte bei mir der Funke nicht überspringen, was wohl auch daran liegt, dass ich die Liebe zwischen Yves und Fleur in keinsterweise glauben konnte. Wieso lieben sich die beiden? Wenn überhaupt begehren sie den Körper des anderen, denn wirklich kennengelernt haben sich die beiden meiner Meinung nach in "Die Macht der Liebe" nicht.

Sprachlich waren nicht nur die Liebesszenen nicht mein Fall, die hätte ich sogar als altbacken durchgehen lassen, schließlich wurde der Roman schon 1994 zum ersten Mal veröffentlicht (was ich nach einiger Recherche herausbekommen habe). Aber Marie Cordonnier hat ihr Augenmerk eher auf unnötig langgezogen und detaillierte Beschreibungen gelegt als auf die Handlung. Wer gerne Beschreibungen von Kleidern, Banketten, Umgebung etc. liest, ist vielleicht mit "Die Macht der Liebe" gut bedient, ich habe mich allerdings eher gelangweilt und die entsprechenden Szenen überflogen und das war somit der Großteil der Geschichte. ;-) Ob die einzelnen Beschreibungen historische korrekt wiedergegeben wurden mag ich nicht zu sagen, aber es klang zumindest so, als ob sich die Autorin in Frankreich des 16. Jahrhunderts sehr gut auskennt. Auch wenn sich die Autorin Mühe gegeben hat, die Atmosphäre der damaligen Zeit zu vermitteln, waren doch teilweise die Wortwahlen viel zu modern, was ich etwas schade fand.
Aufgefallen sind mir einige merkwürdige Sätze, die in meinen Augen keinen Sinn ergeben haben, wie z.B. "deren Stimme seltsam metallisch klang" (S.132) oder eine Frau, "deren Lächeln ein Farbe darstellte" (S.133). Vielleicht liegt es auch an mir und ich habe kein Vorstellungsvermögen, ich kann schließlich mit dem beliebten "crooked smile"/"schiefem Lächeln" auch nichts anfangen. ;-)
Ein paar Fehler haben sich zwar auch eingeschlichen, diese sind mir jedoch nicht weiter negativ aufgefallen. Wenn mir aber schon Zeichensetzungsfehler auffallen, muss eine Geschichte schon sehr langweilig sein, denn normalerweise achte ich auf solche Kleinigkeiten gar nicht. Allerdings kann dies auch daran liegen, dass es sich bei meinem Buch um eine Lizenzausgabe handelt.

Die Story an sich hatte Potential, die Idee war zwar nicht sonderlich originell, aber das Setting am Französischen Hof im 16. Jahrhundert war interessant. Die Handlung war natürlich mehr oder weniger vorhersehbar und auch nicht sonderlich tiefgründig, was wohl daran lag, dass gefühlte 95% der Seiten mit Beschreibungen gefüllt waren anstatt mit ordentlicher Handlung.

Fazit:

Für Fans von älteren Historicals, die am französischen Hof spielen und lieber mehr Beschreibungen des Drumherums haben als eigentliche Handlung, letzeres ist hier nämlich nur sehr dürftig vorhanden.

Bewertung: 3 von 10 Bücherwürmer


Es handelt sich hierbei um den fünften Teil der Isabelle-Reihe, im Gegensatz zu den vorherigen Bänden wird allerdings nicht die Geschichte von Isabelle weitererzählt, sondern die ihrer Enkelin Fleur.
  1. Isabelle
  2. Geliebte Isabelle
  3. Isabelle de Paradou
  4. Isabelle und der König
  5. Die Macht der Liebe
 meine Quellen: Cover abfotografiert und Klappentext/Buchinformationen aus dem Buch übernommen

    Kommentare:

    1. Uh, das klingt so richtig grauenhaft. Scheinbar enthält dieses Buch alles, was einen Historical für mich unerträglich macht und dafür sorgte, dass ich vor vielen Jahren eine sehr große Skepsis gegenüber diesem Genre aufgebaut habe. Wobei es natürlich auch da Ausnahmen gibt ... :D

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    2. Bei solchen Historicals kann ich wirklich verstehen, wieso einige eine große Abneigung gegen Historicals entwickelt haben. Manche mögen ja derartige Historicals, aber seit ich vermehrt moderne Historicals lese, habe ich auch so meine Probleme mit diesem altbackenen Frauenbild und der Sprache. ^^"

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    3. Ich kann mit dieser Variante auch nichts anfangen - und hatte natürlich prompt mal von einer Buchhandlungskundin einen Stapel solcher Bücher geliehen bekommen, damit ich ihre Begeisterung teilen kann. Das ging dann leider nach hinten los ... :D

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    4. *lach* So unterschiedlich sind die Geschmäcker, aber das ist ja auch gut so :-D Ich finde es nur schade, wenn Leute Historicals gleich als Groschenromane abtun (okay, die deutschen Cover und Titel lassen nur diesen Schluss zu), denn sie sind nicht so schlecht wie ihr Ruf. ^^

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    5. Viele Genre sind nicht so schlecht wie ihr Ruf. ;) Und ich kann Groschenromane durchaus genießen. Trash kann etwas ganz wunderbares sein, aber dann dürfen sich solche Geschichten auch nicht zu ernst nehmen. :D

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